Fernsehen macht Kinder dick und dumm...

Geschrieben von Anja - - 3 Kommentare

Kinder und Medienkonsum. Neulich abends sah ich im TV hartaberfair. Thema der Sendung: "Immer online - machen Smartphones dumm und krank?" Der Moderator sprach gleich zu Beginn seine Frau über den Bildschirm an und bat sie, das Handy weg zu legen. Da er nun, durch die Vorbereitung der Sendung wüsste, dass sie (wie auch er selbst) süchtig wäre. Mit kurzem Blick auf mein eigenes Handy fühlte ich mich sofort ertappt. Mhh.. bin ich es auch? Und die noch viel schlimmere Frage, sind es meine Kinder? Das Thema Medien ist bei uns ein Dauerbrenner und ständiger Streitpunkt.

Basti Tablet
© Rose-Greim Fotografie

Unsere Kinder sind 10 und knapp 12 und das Knöpfchen gerade 3 Jahre alt geworden. Das Tanzmädel hat ein Smartphone (ein abgelegtes vom Papa), der Fußballbub ein altes Tastenhandy. Dann gibt es noch ein Tablet für die gemeinsame Verwendung. Ursprünglich wurde dies benutzt, um Musik zu hören und nebenbei zu tanzen oder auch gern mal Bälle an die Wand zu dreschen. In den letzten Monaten mussten wir allerdings feststellen, dass sich das Verhalten und der Konsum unserer Kinder deutlich veränderten.

Ich habe viel gelesen und recherchiert. Prof. Manfred Spitzer, der auch im oben genannten Beitrag zu Gast war, vertritt eine ganz klare Haltung. Der Neurowissenschaftler warnt vor einer sogenannten "Digitalen Demenz" und erklärt, dass hoher Medienkonsum vor allem im Vor- und Grundschulalter der Bildung schadet. (Zeit Online Sept. 2012) Inzwischen ist die Computerspiel- und Internetsucht ein anerkanntes Phänomen und Suchtberatungsstellen bieten Betroffenen Hilfe an. 

Aber ab wann kann von einer Sucht gesprochen werden? Die BZgA hat einen Selbsttest entwickelt und schlägt auf Basis der Ergebnisse Verhaltensweisen für einen kontrollierten Umgang vor. Dies ist zumindest ein erster Anhaltspunkt, wobei die Fragen für Kinder ab 12 Jahren konzipiert sind. 

Das Thema Medienkonsum hat mich schon immer sehr beschäftigt und so waren wir beim Tanzmädel noch sehr konsequent. In ihren ersten 2 Lebensjahren verhinderten wir sämtlichen Medienkonsum. Der Fernseher lief erst, wenn sie im Bett war, Smartphones waren vor 10 Jahren noch kein sonderlich großes Thema. Mit 2 Jahren durfte dann der Sandmann geschaut werden und noch einige Zeit später ab und an ein wenig mehr. Allerdings nie allein, wir haben immer dabei gesessen und das geschaute mit ihr besprochen. Diskussionen gab es wenig, die Regeln waren klar. Beim Fußballbub war es dann schon anders. Ich auch piepte das Küken. Er wollte seiner Schwester nicht nachstehen und um irgendwie abends Ruhe zu bekommen (mit 2 Kleinkindern ist der Alltag schon eine MÄCHTIGE Herausforderung!!!) haben wir viel schneller nachgegeben und der Bub durfte bereits viel eher fern schauen. Aber auch hier waren weder Handys noch Tablets Thema. 

Als das Tanzmädl auf Gymnasium kam, hörten wir dann DEN Satz schlechthin: "Aber alle anderen haben auch ein richtiges Handy." Auf unser Nachfragen ob dies auch WIRKLICH so sei, wurden im Brustton der Überzeugung sämtliche Namen aus der Klasse aufgezählt und es klang ziemlich glaubhaft. Auch wenn wir gern gegen den Strom schwimmen und unsere Kinder davon zu überzeugen versuchen, nicht dem Mainstream nachzueifern, fehlten uns hier die wirklich guten Argumente und sie bekam ein "richtiges" Handy (also ein Smartphone). Ich auch piepte da natürlich das Fußballbubküken. Die mangelnde Notwendigkeit konnten wir ihm verdeutlichen. Denn zumindest das Tanzmädel nutzt das Handy auch für die Kommunikation mit uns, denn sie fährt selbständig mehrmals in der Woche zum Tanztraining. Dennoch wollten wir den Bub nicht allzu sehr benachteiligen und er erhielt unser abgelegtes Tablet zur eigenen Verwendung. Da nahm das Unheil seinen Lauf. 

Anna Handy
© Rose-Greim Fotografie

 

Wir sind beide selbständig, führen das Nestchen, ich leite Kurse und bin zudem als Dozent tätig. Der Alltag ist voll und mitunter recht chaotisch. Und jaaa, es war bequem am Nachmittag und vor allem Abends etwas Ruhe zu haben. Nachdem mir der vermehrte Konsum jedoch auffiel, habe ich versucht, dies mit den Kindern zu besprechen und mögliche Folgen aufzuzeigen. Sie hörten zu, gelobten Besserung und schafften es dennoch nicht, den Konsum einzuschränken. Eher das Gegenteil war der Fall. Auch unsere klaren Regeln, ab einer bestimmten Uhrzeit die Geräte abzugeben wurden umgangen, durch z.B. Abgabe von leeren Hüllen oder heimliches ins Bett holen von Handy und Tablet. 

Beim Knöpfchen ist es etwas anders. Sie guckt ganz gern mal eine "Folge" (oder auch 2) und ihr sicherer Umgang mit Handy und Tablet erschrecken mich. Dennoch hat sie nach einer gewissen Zeit genug und widmet sich lieber ihrer Spielküche oder den Puppen. Sie zeigt aus meiner Sicht ein ganz normales Spielverhalten für eine 3jährige und ich sehe darin (derzeit) kein bedenkliches Medienverhalten. Vielmehr scheint es ganz normal. Sie wächst damit auf und ist es nicht auch wichtig, die Kinder an den Entwicklungen teilhaben zu lassen? Machen wir sie für das spätere Leben nicht untauglich, wenn wir den Zugang zu den sogenannten modernen Medien verwehren?

In meinen Recherchen bin ich auf den Artikel "Machen Fernsehen und Süßigkeiten Kinder süchtig?" vom Blog Die Physik von Beziehungen gestoßen. Hier wird davon ausgegangen, dass eine gute Beziehung zu den Kindern den besten Schutz gegen eine mögliche Sucht darstellt. Okay, ich gehe davon aus, dass ich eine gute Beziehung zu den Kindern habe. Werden hingegen Bedürfnisse nicht gestillt und fühlen die Kinder sich einsam, dann besteht auch die Gefahr für ein Verhalten, dass einer Sucht nahe kommt. Zudem wird das Bedürfnis nach Unterhaltung auch den Kindern zugestanden. Dennoch beruhigt mich der Artikel nicht. Leider! Denn tatsächlich ist es so, dass wir weniger Zeit für die Kinder haben. 

All dies arbeitete eine ganze Nacht und einen halben Tag in mir. Ausnahmsweise war ich am nächsten Tag als Erste zu Hause und arbeitete am Computer. Der erster Gang des Tanzmädels, als sie heim kam, ging nach einer kurzen Begrüßung zum Fernseher, Serien schauen. Nach ca. einer Stunde wies ich darauf hin, dass mir die Geräusche zu viel sind und sie meine Konzentration stark beeinträchtigen und bat darum, auszuschalten. Zwischenzeitlich war auch der Fußballbub nach Hause gekommen. Auch er begrüßte mich kurz, machte sich etwas zu essen und verschwand an seinen Schreibtisch, mit dem Tablet! 

Hier war dann der Punkt erreicht, wo ich das Gefühl hatte einschreiten zu MÜSSEN. Selbstbestimmung hin oder her. Ich rief am späten Nachmittag die Kids zusammen und verkündete, dass ab sofort Youtube und ähnliche Kanäle von Handy und Tablet entfernt werden, die Nutzungsdauer auf maximal 1 bis 1,5 Stunden täglich reduziert wird und dies NICHT verhandelbar wäre. Die Reaktionen waren heftig. Das Mädel zog einen Schmollmund, wurde wütend und rollte sich auf der Couch zusammen. Als sie merkte, dass ihre Einwände auf meine Entscheidung keinen Einfluss hatten, lief sie aus dem Zimmer. Der Bub wurde ebenfalls wütend, brummelte etwas von unfair und erste Tränen flossen. Selbstverständlich hatte ich ausführlich erklärt, warum ich mich zu diesem Handeln genötigt fühlte, hatte Verhaltensweisen aufgezeigt und deutlich gemacht, dass ich mich in der Verantwortung sehe, sie zu beschützen. Sie haben es nicht eingesehen, wie auch mit 10 und 12 Jahren. Der Unmut des Mädels ging sogar soweit, dass sie uns durch ihren Bruder mitteilen ließ, sie würde heute Abend an einem Ort schlafen, den wir nicht kennen. Mir stockte kurzzeitig das Herz. Das ist dann definitiv das Gegenteil von miteinander in Beziehung sein. Ihr Vorhaben beendete sie allerdings nach kurzer Zeit (sie war im Kinderzelt des Knöpfchens im Garten) und nahm wieder am Familiengeschehen teil, als wäre nichts gewesen. Zeigt diese heftige Reaktion nicht schon ein ungesundes Verhältnis?

Nachdem sich die Gemüter beruhigt hatten, verlief der Nachmittag und Abend äußerst entspannt. Später habe ich die Kinder den oben erwähnten Selbsttest der BZgA machen lassen. Das Ergebnis bei beiden: ALARM. Es gibt ein deutlich erkennbares Suchtverhalten. 

Ich gestehe, ich bin NICHT glücklich damit. Empfinden die Kinder es als Strafe? ABSOLUT! Halte ich Strafen für ein sinnvolles Mittel? Nein, absolut NICHT! Ich bin grundsätzlich davon überzeugt, dass sie zu nichts führen, sondern am Ende nur die Beziehung zwischen mir und meinem Kind belasten. Nur welche Alternativen habe ich? Mir ist es wichtig, die Kinder in allen sie betreffenden Angelegenheiten einzubeziehen, ihre Bedürfnisse und Wünsche zu respektieren und so weit es geht auch zu erfüllen. In dieser Fall allerdings ging es für mich nicht mehr. Ich bin überfordert und verwirrt. Die Ergebnisse in der Literaturrecherche zeigen kein klares Bild auf und ich denke, wie so oft, den EINEN richtigen Weg gibt es nicht. Wir haben den Weg der Selbstregulierung versucht, erfolglos. Ich will sie nicht bestrafen, weiß mir nur leider nicht anders zu helfen. All die Bücher und Artikel, die die Sinnlosigkeit von Strafen und natürlichen Konsequenzen aufzeigen haben für mein Empfinden das Thema Medienkonsum und die damit verbundenen realen Gefahren nicht bedacht. Ich habe jedenfalls dort keinen Ansatz einer für uns praktikablen Lösung gefunden. Ob unser Weg nun der Richtige ist, kann ich (noch) nicht sagen. 

Zudem habe ich nach Sehen der Sendung beschlossen, mein eigenes Verhalten stärker zu reflektieren. Denn oft sitze auch ich sinnlos vor Facebook und Co. mit dem Gedanken, ich könnte etwas verpassen. Wie will ich meinen Kindern einen vernünftigen Umgang mit Medien vermitteln, wenn mein eigenes Verhalten dem nicht entspricht? Ja, ich bin selbständig. Selbst und ständig und ja, da ist das Bedürfnis, Anfragen immer schnellstmöglich zu beantworten, immer sofort mitzubekommen, wenn ein Hersteller neue Designs von Tragehilfen auf den Markt bringt und uptodate zu bleiben, was die "Konkurrenz" so treibt. Doch da kommt das Zitat von Karl Valentin zum tragen: "Wir brauchen unsere Kinder nicht erziehen, sie machen uns sowieso alles nach."  Mhh.. wir werden also sehen und ich bessere mich.

Wie handhabt Ihr das?

3 Kommentare

#1  - Jana schrieb:

Erstmal ein Lob, meine Liebe, das hast du wirklich toll & auf den Punkt geschrieben😉 Bei uns ist es ganz ähnlich (Kids sind im gleichen Alter) und wir überlegen auch oft, was wir noch unternehmen könnten, um dem Ganzen mehr Einhalt zu gebieten!? So gibt es die klare Regel: keine Smartphones o. Tablets am Tisch, ja nicht mal Gespräche über irgendwelche Level und wie "krass, LOLig..." das ist, denn man möchte sich ja schließlich auch mal über 'normal Dinge' austauschen & das allein ist bei 5 Personen am Tisch schon manchmal echt schwer!!!
Desweiteren werden bei uns vorm "Zu-Bett-Gehen" auch alle elektronischen Geräte in der Küche abgeliefert & wir lesen wieder Geschichten vor (zumindest dem Mittleren & der Jüngsten-der Große hört ein Hörspiel;-)), auch wenn das die Gefahr des "Beim-Kind-Einschlafens" birgt...😁😴
Ich denke, es gibt keine allgemein gültige Handhabung-da muss jede Familie selbst ihren Weg finden aber ich bin der Meinung, wenn die Kinder sich ausreichend bewegen & die schulischen Leistungen stimmen, dann können wir mit ein wenig What's App, You Tube & Co. leben, wobei eine zeitliche Limitierung echt überlegenswert ist!
Mein Plan ist auch, den kids feste häusliche "Arbeiten" zuzuteilen und erst, wenn diese erledigt sind, darf sich den elektr. Medien gewidmet werden-auch wenn dies nach Erpressung schreit, so ist doch wenigstens was geschafft & sie merken mal, wieviel Zeit auch dabei "draufgeht" 😏
In diesem Sinne...ich muss jetzt mal Wäsche aufhängen!

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#2  - Ellis - Puppen mit Herz schrieb:

Huhu, bin ganz neu hier und habe mit viel Interesse deinen Artikel gelsen. Ja, es ist sehr schwer mit den neuen Medien. Aber sie begleiten nun mal unsere Zeit. Meine Kinder sind 10,13 und 15. Diskutiere mal mit einem pubertierenden 15 jährigen über das Internet big_smile. Ich habe vieles ausprobiert, über zeitliche Begrenzung bis hin zu Handy abgeben...ect. Es war nur stressig, ständig gab es Zoff und unser Familienfrieden drohte zu zerbrechen. Nun ist es bei uns so, das Internet geht zur bestimmten zeit an und aus. Ganz verweigern oder nur zeitl. gebrenzen kannich es nicht, da sie ihre Geräte auch zu schulischen Zwecken, Musik hören oder für Hörspiele nutzen und natürlich auch zur Kommunikation mit ihren Freunden. Klar kann man sagen, fahr doch zu deinem Kumpel. Aber das ist doch albern, oder? Ich habe mit meinem Kindern die Suchtgefahr besprochen, sie besuchen ihre Kurse wie Schlagzeug spielen, Tennis oder Englisch , treffen ihre Freunde. Und ja sie spielen auch Computerspiele oder fahren Longboard. Die leistungen in der Schule sind gut. Warum soll ich also hier für zusätzlichen Stress sorgen, Sie haben alle häusliche Verpflichtungen und ich muss natürlich auch daran erinnern. Dann wir d auch zu meinem Erstaunen ohne zu murren das HAndy weggelegt und die Aufgabe erledigt. Ich denke wir müssen jeder für sich eine Lösung finden, Wir haben auch vielen ausprobiert, nur an bestimmten Tagen, jeder nur 1,5 Stunden. Aber als dann alle nacheinander ihre Spielzeit einforderten, wurde mir schnell klar, das möchte ich nicht. Zum Glück haben wir zusammen eine für alle tragbare Lösung gefunden und ich wünsche dir, dass du die auch für deine Familie findest. Habt ihr euch schon mal alle zusammen gesetzt und gesagt, was euch Sorgen macht oder stört? Klar gestellt, dass sich etwas ändern muss und um Vorschläge gebeten? Das klappt bei uns prima und von Zeit zu Zeit, wenn die Dinger wieder aus dem Ruder gelaufen sind, rufen wir unseren "Familienrat" ein. Alles liebe für dich. Christine

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#3  - Anja schrieb:

Liebe Christine, vielen Dank für Deine Nachricht. Ja, wir haben es schon mehrmals besprochen. Wir versuchen es zu vermeiden über die Köpfe der Kinder hinweg Entscheidungen zu treffen. Ich habe mit ihnen viel geredet, immer wieder meine Sorge erläutert, sie immer wieder auch darauf aufmerksam gemacht, dass sie ihre Aufgaben und die Schule vernachlässigen. Die beiden großen machen viel Sport und ja, treffen auch Freunde. Ich will es ihnen auch gar nicht verbieten, zumal ich diese Medien ja auch tagtäglich nutze. Wir haben nur immer wieder nach kurzer Zeit festgestellt (auch die Kinder), dass sie es nicht im Griff haben. Möglicherweise ändert sich unsere Regelung auch bald wieder. Hier ist nichts in Stein gemeißelt. Ich werde es beobachten und gucken, wie es sich entwickelt. Sagen kann ich allerdings schon, dass nun, da Handy und Tablett nur eingeschränkt verwendet werden können, jede freie Minute genutzt wird, um Fern zu schauen. :-( .. ich wünsche mir sehr, dass sich alles etwas entspannt. Diese Diskussionen und Unstimmigkeiten belasten mich sehr. Noch mehr jedoch die Sorge, dass sich eine wirkliche Sucht entwickelt. Alles Liebe auch für Dich. Anja

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