Ferien "at home" Teil 1

Geschrieben von Anja - - 2 Kommentare

In den folgenden Wochen berichte ich, wie wir 6 Wochen Schulferien ohne "richtigen" Urlaub rumkriegen und dabei (hoffentlich) trotzdem dem Alltag etwas entfliehen. Heute  geht´s los... Ferienwoche 1:

Als wir dem Fußballbub und dem Tanzmädel vor ein paar Wochen sagten, dass wir leider nicht, wie eigentlich geplant in den Urlaub fliegen könnten, war die Begeisterung groß. Der Bub war richtig sauer und mein Herz wurde schwer. Gefühle von Versagen und den Kindern nichts bieten können kamen hoch und ich schob das Thema *wasmachenwirindenFerien* ganz weit aus meinem Kopf heraus.

Nun dümpelten die ersten Ferientage vor sich hin und es war klar, ich muss den Kids einen Ausblick geben, etwas worauf sie sich (trotzdem) freuen können. Also schlug ich vor, einen Plan zu machen. Mindestens 2 Highlights sollte es pro Woche geben. Die Kids waren hellauf begeistert und mein schlechtes Gewissen schrumpfte. Gesagt, getan. Die unterschiedlichen Interessen der Großen und der große Altersabstand zum Knöpfchen sind eine Herausforderung und ich bin gespannt, wie wir das gebacken bekommen.Ferien

Am Freitag ging es also zur Langen Nacht der Wissenschaften, nur die beiden Großen und ich. Die Planung des Fußballbubs war etwas chaotisch, hatte er doch die Strecken nicht bedacht und offenbar keine wirkliche Vorstellung, was sich unter einigen Beschreibungen verbarg. Also plante ich kurzfristig um, damit wir zumindest eine grobe Richtung einschlagen konnten.

Der Start ging allerdings schon mal in die Hose. Wir wollten den Bus nehmen und ab der Haltestelle Frankesche Stiftungen zum Campus Heide Süd fahren. Der erste Bus fuhr 2 Minuten zu früh los und uns direkt vor der Nase weg (jaaa, wir hätten auch pünktlicher sein können, aber mhhh). Der nächste Bus stand im Stau, wir kamen 10 Minuten später zur "Großen Experimentalvorlesung: Chemie für (nahezu) alle Sinne"  und mussten uns die Veranstaltung per Übertragung anschauen, da der eigentliche Vorlesungssaal übervoll war. So blieben dann einige Sinne unangesprochen, da wir das rauchen und stinken nur via Bildschirm sahen. Der Bub wurde hibbelig, weil auf den Bildschirm schauen ihn dann doch nicht sooo begeisterte, das Mädel war genervt weil der Bub zappelte und ich war angespannt, weil ich nicht wusste, wie es noch weitergehen wird und ob ich das alles so gut geplant hatte :-/.

Chemie ist wenn es pufft und stinkt
© Anja Pohl

Als nächsten Punkt peilten wir den Fachbereich Physik an, eigentlich wollten wir zur Informations- und Spielstraße der Informatik, aber blieben dann beim Physikrätsel "hängen". So ist das mit den Plänen :-D. Die Fragen des Rätsels forderten sehr heraus, ich hielt mich als Nicht(s)wissende gekonnt im Hintergrund .. wollte den Kids den Spaß ja schließlich nicht durch Vorsagen vermiesen ;-). Aber hättet Ihr spontan gewusst, wo die Sonne steht, wenn Ihr den Regenbogen vor Euch seht? Oder wie Ihr es am schnellsten erreicht, das Wasser aus der Wanne, in der Ihr sitzt, abfließen zu lassen? ICH nicht so wirklich, aber nun weiß ich es ;-).

Mit einem kurzen Sprint ging es dann zur nächsten Vorlesung " Die Experimentalphysik-Trickkiste". Der Hörsaal war gut gefüllt und der vortragende Professor äußerst amüsant (wenn auch manchmal im Fachlatein sprechend, was die Konzentration meiner Kids abschweifen lies). So konnten wir sehen, welche Kraft von Luft ausgehen kann (Magdeburger Halbkugeln), was ein Hubschrauber mit einer Eiskunstläuferin gemein hat, und mittels 100 Mausefallen das Phänomen der Kettenreaktion bestaunen. Ich hatte meinen Spaß und die Kids auch :-D.

Physik
© Anja Pohl

Nächster Anlaufpunkt war der Uniring und wir fuhren planmäßig mit dem Bus. Zur Auswahl standen ein Improtheater mit Musik und ein Workshop Mathematik mit dem Kleiderbügel. Ich wollte den Kids ja nicht alles vorschreiben und nach kurzer Diskussion entschieden sie sich für die Mathematik.

Der Workshop war nicht wirklich einer, sondern ein heilloses Durcheinander mit ständigem Kommen und Gehen, aber sehr bemühten Betreuern. Die Herausforderung bestand nun darin, einen Oktaeder aus Kleiderbügeln !!! herzustellen. Und DAS war wirklich eine Herausforderung. Ich gebe zu, ich bin in Sachen Geduld nicht die Beste und nach gefühlt ewigen Zeiten und kurz vor dem Aufgaben, rief ich den verzweifelten LETZTEN Versuch, das Teil zu bauen, aus. Mit der Unterstützung eines Profis haben wir es dann tatsächlich geschafft und nun steht dieses "Kunstwerk" bei uns zuhause rum. "Aufgeben ist nicht!". :-D

Oktaeder
© Anja Pohl

Der Letzte Punkt auf unserer Liste führte uns zum alljährliche Feuerwerk. Da das Tanzmädel langsam aber sicher nervös wurde (das mit  überpünktlich sein wollen hat sie vom Gatten ;-)) machten wir uns nach einer kurzen Stärkung wieder auf den Weg zur Bushaltestelle (in Richtung Campus Heide). Leicht verpeilt stiegen wir zunächst in die falsche Linie. Ich hab es aber schnell bemerkt und so liefen wir wieder zurück. Der nächste Bus, übervoll, schwitzende Menschen dicht aneinander rief eine mittelschwere Panikattake in mir hervor, die mein Tanzmädel aber bemerkte und mich durch zureden ablenkte. Die äußerst lustigen Mitfahrer taten ihr übriges und ich konnte die Fahrt einigermaßen aushalten  (Platzangst ist nicht so wirklich prickelnd :-().

22.45 Uhr startete das atemberaubende Feuerwerk zur 9. Sinfonie von Dvorak "Aus der neuen Welt". Die Abstimmung zwischen Musik und Farben am Himmel zog uns 3 völlig in ihren Bann. Die stürmische Umarmung des Bubs nach dem Feuerwerk und das Grinsen vom Mädel waren da eindeutig. Puh.. wenigstens das hatte geklappt.

Feuerwerk
© Anja Pohl

Die Rückfahrt dauerte dann wieder etwas länger. Bedingt durch eine etwas unglückliche Organisation warteten wir über eine halbe Stunde auf den Bus zurück. Glücklich, voller Eindrücke und ziemlich geschafft krochen wir kurz vor Mitternacht in unsere Betten.

Als nächste Highlight auf unserem Plan stand am Sonntag ein Brunch. Seit wir dies vor Jahren mit den beiden Großen (ans Knöpfchen war da noch nicht zu denken) mal gemacht hatten, verbinden die beiden damit etwas total magisches. Da so ein Vergnügen in einer größeren Familie doch recht kostspielig ist, bleibt es eine Ausnahme und daher immer etwas Besonderes.

Das Knöpfchen konnte es vorab allerdings so gar nicht verstehen und fragte während der Autofahrt, wo wir denn nun hinfahren und warum? Wie auch die anderen Male zog es uns ins Cafe N8, vermutlich aber zum letzten Mal. Der Gatte und ich waren vom Geschmack und der Qualität des Essens sehr enttäuscht, trotz der großen Auswahl . So wären Orangensaft, der nach Orangensaft schmeckt und nicht nach Wasser mit einem Hauch orange und richtiges Rührei (was das am Ende war konnten wir nicht so genau herausfinden und wollten es auch nicht) wünschenswert gewesen. Der Joghurt von einer Billigmarke, die ich noch nie gesehen hatte und das Obst teilweise noch unreif. Den Kids war es egal, Nutalla und kleine Donuts für die Süßschnuten und Gurkenstückchen ohne Ende für das Knöpfchen ließen ihre Herzchen höher schlagen. Und das ist es, was am Ende zählt.

Frühstück
© Anja Pohl

Den Nachmittag verbrachten wir entspannt beim Familienkicken auf der SG Motor zusammen mit anderen Familien. Ein vergnüglicher Zeitvertreib, den ich mit einem Treffer ins Tor und erstaunten Blicken über meine fußballerischen Fähigkeiten krönen konnte. Der Bub ärgerte mich mit bekannten Phrasen, wie "zum Ball" und "Fußball ist ein Laufsport"  und hatte sichtlichen Spaß daran. Das Tanzmädel rannte, was es konnte und wirkte ebenfalls zufrieden, das Knöpfchen spielte mit anderen Kindern am Rand und hatten mit Purzelbaum schlagen im Gras ihr eigenes Vergnügen.

Fußball
© Anja Pohl

Die Auswertung  beim Abendessen zeigte zufriedene Kinder und (leicht) entspannte Eltern. Die erste Ferienwoche ist also vorbei und  jippiiiiiie ... neue Zettel liegen in unserem "Schöneerinnerungenglas". Das macht Lust auf mehr.

Geplant sind unter anderem Zoobesuche und die Picknick Open. Ich werde berichten!

Herzlichst

Eure Anja

2 Kommentare

#1  - Anne schrieb:

So ein schöner, offener und witziger Post. Sehr erfrischend. Ich freu mich auf die nächsten und bedanke mich schon mal für die Inspiration was zukünftige Schulferien betrifft! ;-)

Antworten
#2  - Anja schrieb:

Liebe Anne, vielen Dank :-D. Ich bin auch schon sehr gespannt, was uns in den nächsten Wochen so alles erwartet! Herzliche Grüße

Antworten

Kommentare-Feed (RSS) dieses Artikels

Schreibe einen Kommentar

Was ist der dritte Buchstabe des Wortes ugtumh ?